Wasser an der Börse

Engagements in die Wasserwirtschaft gelten an der Börse zunehmend als vielversprechende und langfristig nutzbringende Investitionen. Privatanlegern wird diese Möglichkeit aktuell jedoch eben nur über die Börse geboten, wohingegen Edelmetalle oder gar Agrarprodukte physisch erworben werden können. Selbst in erneuerbare Energien können Anleger mittlerweile direkt und physisch investieren. Beim Rohstoff Wasser geht es jedoch viel weniger um die Wertsteigerung von einer Einheit Wasser, wie es zum Beispiel der Fall bei einer Unze Gold ist, sondern vielmehr um die vielseitigen Möglichkeiten und Vorteile, die eine Geldanlage in die Wasserwirtschaft mit sich bringen kann. Aber selbst beim Preis pro Kubikmeter Wasser ist eine Steigerung über die letzten Jahre hinweg sichtbar. So ist nach einer Studie von IBM Research der globale Wasserpreis von Q1 2008 bis Q4 2013 in US-Dollar um 16,6 % angestiegen. In London beispielsweise innerhalb des gleichen Zeitraumes um 9,4 % und in Singapur um 50,0 %.

In erster Linie profitieren davon Wasserversorger, die, wie es der Name bereits andeuten lässt, hauptsächlich als Trinkwasserversorger und Abwasserentsorger in bestimmten Regionen tätig sind. Die Vorteile von Versorgeraktien allgemein liegen oft in der höheren Dividendenrendite im Vergleich zu anderen Sektoren, einem stabileren Cashflow und einem besseren Inflationsschutz, da Versorger flexibler in Zeiten steigender Teuerungsraten sind und ihre Preise besser an die aktuelle Inflationsrate anpassen können. So schüttet beispielsweise der US-amerikanische Wasserversorger American States Water seit 1931 jedes Quartal eine Dividende aus und seit 1955 wurde diese jedes Mal schrittweise erhöht.

Über die Börse kann der Investor allerdings heutzutage gezielt in bestimmte Sektoren der Wasserwirtschaft investieren. So ist auch die Wassertechnologie ein interessanter und vielversprechender Sektor, führt man sich vor Augen, dass vermutlich bis 2025 vor allem im südlichen Teil der Welt eine sogenannte „Economic Water Scarcity“ herrscht. Sprich, eine Wasserknappheit, die aufgrund fehlender Technologie besteht, um die vorhandenen Wasserressourcen nutzen zu können und vor allem trinkbar für die Bevölkerung zu machen.


Quelle: http://www.fewresources.org/



Das benötigte Wasser ist theoretisch da, kann jedoch aufgrund mangelnder Technologie und Infrastruktur sowie fehlender Finanzierung nicht genutzt werden. Auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft werden unter diesem Wassermangel leiden, da sie für ihre Produktionsprozesse teilweise auf enorme Mengen an Wasser angewiesen sind. Deshalb werden auch hier erhöhte Investitionen von Unternehmen der Privatwirtschaft in die Wassertechnologie und –infrastruktur erwartet, da Wasser zu Recht als Grundpfeiler der Wirtschaft gilt.

Nach Angaben der Civil Society of Civil Engineers, der Berufsverband der Bauingenieure in den USA, wird bis 2020 ca. 45 % des Wasserversorgungsnetzes in den USA in einem mangelhaften bis brüchigen Zustand sein. Jahrelang nicht getätigte Investitionen in die US-Wasserinfrastruktur ist dafür die Ursache, teilweise gibt es tatsächlich noch Wasserrohre, die aus Holz sind. Grund für den maroden Zustand der US-Wasserinfrastruktur ist der Mangel an öffentlichen Geldern. Jedoch übernimmt der private Sektor bereits heute teilweise diese Aufgaben vom Staat, die Instandhaltung der Wasserinfrastruktur wird somit in den USA schrittweise privatisiert, wodurch sich weitere interessante und langfristige Anlagemöglichkeiten bieten. Nur unter Berücksichtigung der Tatsache, dass noch ca. 80 % der Wasserversorgung in der öffentlichen Hand liegt, ist zu vermerken, welches Potenzial weiterhin in der US-Wasserwirtschaft für Aktiengesellschaften liegt.
Anleger sollten bei ihrem Investitionsverhalten pragmatisch vorgehen. So lassen sich durch die Sanierung von Rohrleitungssystemen Wasserverluste enorm reduzieren. Unternehmen, die sich auf die Entdeckung von Lecks spezialisiert haben, würden in diesem Falle von diesen Investitionsmaßnahmen stark profitieren. Unternehmen, die wiederum intelligente Wasserzähler bzw. Wassersysteme für Duschköpfe oder Toilettenspülungen anbieten, profitieren hingegen vom Vorstoß der Regierungen, Wasser effizienter und sparsamer zu nutzen. Die Möglichkeiten für Anleger sind also breit gestreut, jedoch natürlich auch mit einer gewissen Vorarbeit verbunden.

Ebenso kann auch mittels ETF in das Investmentthema Wasser investiert werden. Der Vorteil dadurch ist eine breitere Streuung des Geldes, sprich eine höhere Diversifikation innerhalb der Wasserwirtschaft, wofür jedoch jährlich eine Gebühr von durchschnittlich 0,6 % des Fondsvolumens an das ETF-Management entrichten werden muss. Allgemein bringen Investitionen in die Wasserbranche den Vorteil mit sich, dass sie unabhängiger von der Konjunkturentwicklung sind. Nichtsdestotrotz sollte der Anleger nie das gesamte Geld eines Portfolios in Wasseraktien investieren, auch nicht wenn dabei in verschiedene Sektoren investiert wird. Hier gilt das Grundprinzip des Investierens, stets für eine vernünftige Streuung des Geldes zu sorgen und nie nur ausschließlich ein Investmentthema zu verfolgen. Denn während und kurz nach der Finanzkrise 2007 sind auch Aktien von Wassertechnologie-, Wasserinfrastruktur- und gar Wasserversorgungsunternehmen gefallen. Grund war der Rückgang der Investitionen der Privatwirtschaft als auch der öffentlichen Hand in neue Technologien sowie in die Instandhaltung der Infrastruktur, auch wenn diese durch teilweise anschließende Konjunkturprogramme in den Folgejahren gut kompensiert werden konnten.

Die Börse öffnet sich mehr und mehr dem Investmentthema Wasser, sei es durch Fonds und ETFs, Zertifikaten oder aber Unternehmen aus der Wasserwirtschaft, die an die Börse gehen. Der globale Wassermarkt steht dabei in den nächsten 20-30 Jahren vor großen Herausforderungen, welche wiederum mit hohen Investitionen verbunden sind, von den Investoren durch die richtigen Anlageentscheidungen profitieren können. Sei es durch regelmäßige und sichere Dividendenzahlungen oder aber Kursteigerungen der Wertpapiere, Anleger mit einem mittel bis langfristigen Anlagehorizont sollten sich dem Thema Wasserinvestments zunehmend widmen.