Globale Wasserentwicklung

Wasser im 21. Jahrhundert

 
 
Der Zugang zu Wasser wird als grundlegendes Menschenrecht angesehen und von vielen als selbstverständlich betrachtet. Durch die rasant wachsende Weltbevölkerung und durch den immer stärker steigenden Wasserbedarf wird Wasser jedoch mehr und mehr zu einer kostbaren und begehrten Ressource.
2/3 der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Jedoch sieht die Aufteilung folgendermaßen aus:


97,5 % der weltweiten Wasservorkommen sind Salzwasservorkommen
2,5 % der weltweiten Wasservorkommen sind Süßwasservorkommen
Die 2,5 % Süßwasser unterteilen sich wiederum in:
68,9 % Eis der Gletscher
30,8 % Grundwasser
und nur 0,3 % der Süßwasservorkommen fallen auf Seen und Flüsse ab



Die Vereinten Nationen erwarten, dass die Welt im Jahr 2025 bis zu 40 Prozent mehr Wasser verbrauchen wird als noch im Jahr 2015. Vor allem die wachsende Bevölkerung und die veränderten Ernährungsgewohnheiten sorgen in den nächsten Jahrzehnten für einen steigenden Wasserbedarf. Der stetig verbesserte Lebensstandard in den Schwellenländern bringt gleichzeitig den Einsatz von mehr Wasser mit sich. Hier wird der westliche Lebensstil, welcher sehr wasserintensiv ist, als Orientierung genommen. Nach UNESCO Angaben verbrauchen die Bewohner der Industrieländer rund zehnmal so viel Wasser am Tag wie die Bewohner in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Da aber weiterhin 70% des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfallen, kennzeichnet sich auch hier durch die steigende Bevölkerungszahl und der damit einhergehenden steigenden Nachfrage nach Lebensmittel ein zunehmender Wasserverbrauch an.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Wasser spielt in diesem Jahrhundert und wahrscheinlich noch darüber hinaus, eine entscheidende Rolle. Jedoch bekommt das Thema noch nicht die nötige Aufmerksamkeit, die es bekommen müsste. Weder in der Politik noch in der Gesellschaft oder an den weltweiten Börsen widmet man sich dem Thema entsprechend. Dabei sind wir bereits in Europa mit Wasserproblemen konfrontiert. In den westlichen Industrienationen herrscht in der Regel kein Mangel an sauberem Trinkwasser, jedoch leben 120 Millionen Menschen in Europa, die keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Um Herr über das weltweite Wasserproblem zu werden, formulierten die Vereinten Nationen im Jahr 2000 die sogenannten Millenniumsziele. Demnach sollten bis 2015 die Zahl der Menschen, die über keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügen, um die Hälfte reduziert werden. Zugleich sollte der Zugang zu sanitären Einrichtungen deutlich verbessert werden. Würde man Afrika und den Nahen Osten ausschließen, wäre das erste Ziel erreicht worden, das zweite Ziel wird jedoch noch deutlicher verfehlt. Jeder zweite Mensch in den Entwicklungsländern verfügt über keine einfachen sanitären Anlagen. Würden jedoch alle Menschen darüber verfügen, könnten weltweit 10% aller Erkrankungen verhindert werden. Dies zeigt schon alleine den enormen Investitionsbedarf im Sanitärbereich.

Vor allem der Nahe Osten und Nordafrika könnten in absehbarer Zeit auf eine bedrohliche Wasserknappheit zusteuern: Saudi-Arabien, Libyen, Jordanien oder Israel decken große Teile ihres Wasserbedarf aus fossilen Grundwasserspeichern. Diese haben sich allerdings vor Jahrtausenden gefüllt, zu Zeiten als das Klima der Region noch feuchter war. Diese Reserven könnten jedoch bereits in wenigen Jahrzehnten zum Teil aufgebraucht sein. Somit sollten bereits jetzt Vorkehrungen und Gegenmaßnahmen getroffen werden, damit eine weitere und nachhaltige Wasserversorgung in diesen Ländern garantiert werden kann.

Aber auch Indien kämpft seit Jahrzehnten mit einer immer stärker werdenden Wasserbedrohung für Land, Leute und Wirtschaft, welche sich in den kommenden Jahren wohl eher noch verschlimmern wird. Nach Angaben von Council on Energy, Environment and Water, ein indisches Non-Profit Forschungsinstitut, hatte jeder Inder im Jahre 1951 Zugang zu bis zu 5200 Kubikmeter Wasser pro Tag. Im Jahre 2010 lag diese Zahl jedoch bei nur noch 1600 Kubikmeter und nach Vorhersagen wird sie in den nächsten 30 Jahren auf unter 100 Kubikmeter fallen. Grund für die bedrohliche Wasserknappheit in Indien ist die rasant wachsende Bevölkerung, die extrem wasserintensive Landwirtschaft, der ineffiziente und oftmals korrupte Transport von Wasserreserven sowie vor allem auch die marode Wasserinfrastruktur, welche verantwortlich für hohe Wasserverluste im ganzen Land ist. Effiziente Bewässerungssysteme, wie sie bereits heute von einigen Unternehmen hergestellt werden, könnten hier ein erster Ansatz sein, konkret die Wasserknappheit in Indien zu mindern.

Quelle: BGR nach UNEP 2003

Der größte Wasserabnehmer ist die Bewässerungslandwirtschaft. Diese beansprucht ca. 70% des Wasserbedarfs. Um in den nächsten Jahrzehnten die Nahrungsmittelsicherheit zu garantieren, immerhin rechnet man bis 2050 mit einem Anstieg der Weltbevölkerung um bis zu drei Milliarden Menschen, müssen bestimmte Maßnahmen getroffen werden. Diese reichen von der Verringerung der Verluste bei der Nahrungsmittelproduktion bis zur Wiederaufbereitung des Wassers. Dafür werden Technologien von Unternehmen zum Einsatz kommen müssen, die sich auf den Bereich Wassertechnologie bereits heute spezialisiert haben. Vor allem wird der Fokus stärker auf den Bereich Bewässerungstechnologie gelegt werden müssen, um die steigende Nachfrage bedienen zu können.

Quelle: http://fewresources.org/

Das Bevölkerungswachstum ist fortschreitend und mit ihr das immer stärkere Verlangen nach den veränderten Nahrungsgewohnheiten. Vor allem Asien und Afrika passen sich mehr und mehr dem westlichen Lebensstil an, welcher jedoch sehr wasserintensiv ist. Auch der Klimawandel verursacht steigende Wasserinvestitionen. Die Weltbank sagte 2010 voraus, dass aufgrund eines Anstieges der Temperatur um 2 Grad zwischen 2020 bis 2050 jährlich bis zu 20 Milliarden Dollar extra in Maßnahmen zur Wasserversorgung investiert werden müssen.

In den westlichen Staaten wurden seit vielen Jahren jedoch keine größeren Investitionen der öffentlichen Hand in die Wasserinfrastruktur mehr getätigt. Hier ist die Sanierung und Modernisierung einer ineffizienten und veralteten Infrastruktur in den nächsten Jahren dringend erforderlich. Knapp 30 Millionen Liter Wasser versickern täglich in der Erde. Auch die Wasserwerke sind veraltet und sanierungsbedürftig. Große Teile der Wasserinfrastruktur in den USA sind über 100 Jahre alt, einzelne sogar über 200 Jahre. Aus diesem Grund schätzt die amerikanische Umweltbehörde EPA, dass in den nächsten Jahren jährlich ca. 138 Mrd. Dollar in die dringend erforderliche Modernisierung der amerikanischen Wasserinfrastruktur investiert werden muss. Die OECD schätzt, dass zwischen 2010 und 2030 weltweit mehr als 40 Billionen Dollar in den Ausbau und Erhalt der gesamten Infrastruktur gesteckt werden müssen. Den höchsten Bedarf hat hier der Wassersektor mit einem jährlichen Investitionsvolumen von 900 Milliarden Dollar, gefolgt vom Straßenbau mit 270 Milliarden Dollar und der Energieversorgung von 210 Milliarden Dollar. Chinas Regierung hat 2011 angekündigt, bis 2021 rund 580 Milliarden Dollar in die Wasserversorgung und -aufbereitung zu investieren.

Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine der Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts. Rund um das Wasser und seine Aufbereitung hat sich mittlerweile ein Milliardenmarkt entwickelt. Angesichts der Verknappung dieser Ressource, der schnell wachsenden Weltbevölkerung und des hohen Investitionsbedarfs in den nächsten Jahren dürfte Wasser wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen.